Das Sinnlichkeitsgen

Über sexy Blicke und Grimassen

Das Sinnlichkeitsgen
Admin

Montagvormittag auf dem Weg zum Fotografen, um ein stinknormales Bewerbungsbild schießen zu lassen. Und ich fühle mich dermaßen gestresst – eine wirklich fürchterliche Empfindung. Denn ich gehöre leider zu der Sorte Frau, die ihre Gesichtszüge vor der Kamera nicht im Griff hat. Nennt man dieses Phänomen auch Unfotogenität? Na wahrscheinlich. Im realen Leben, da ist alles tutti. Man könnte sagen, ich bin zufrieden mit mir. Aber ein verführerischer Blick vor der Kamera? Haha, es gibt zwei Optionen, wie dieses Bild dann tatsächlich ausfällt. Gruselig (passend für eine Halloweeneinladungskarte) oder ultrakomisch (so witzig, dass selbst meine Katze lachähnliche Geräusche von sich gibt). Generell liegt mir dieses verführerische Gucken nicht. Nett und sympathisch, ja. Habe mir sogar sagen lassen, ich wäre ein Sympathieträger. Aber der sexy Blick? Nein, nicht meiner.

Um mich nicht ständig schlecht zu fühlen (denn nicht nur potentielle Models alla Germany‘s Next Topmodel haben die sexy Blicke drauf, Facebook beweist mir jeden Tag, dass anscheinend jede Schnickse aus Schulzeiten ihre Blicke variieren kann) habe ich folgende Theorie entwickelt. Das Ganze ist Veranlagung. Ja, genau. Entweder man hat es oder eben nicht. Denke ich.

Zurück zu meinem Bewerbungsfoto.  So ganz will man sich dann natürlich nicht aufgeben. Hat es vielleicht doch was mit Vorbereitung zu tun? Das richtige Make Up? Vielleicht doch stärker geschminkte Augen? Also stehe ich verboten früh auf, um Augenringe zu eliminieren, eine Maske einwirken zu lassen und den verhassten Lidstrich so lange auszuprobieren bis ich nicht wie ein Clown aussehe, sondern einen wundervollen offenen Blick bekomme. Zwei Stunden später fühle ich mich etwas bemalt und entferne den doofen Lidstrich wieder. Nicht so einfach, denn das Schwarz verschmiert meine komplette Augenpartie und kurz darauf sehe ich so aus, als ob ich verprügelt wurde. Eine halbe Stunde später ist die veilchenähnliche Farbe zwar verschwunden, stattdessen zeigt sich aber meine Haut irritiert. Nun bin ich kein Prügelopfer mehr. Viel eher sehe ich so aus, als ob ich mir die Augen aus dem Kopf geweint hätte. Der Heulkrampf steht nun tatsächlich in den Startlöchern. Das Ganze kann doch wirklich nicht so schwer sein. Also warte ich eine halbe Stunde bis mein Gesicht wieder halbwegs normal aussieht, schminke mich ab und beginne wieder von vorne. Diesmal bleibe ich meinen herkömmlichen Make-Up Gewohnheiten treu, benutze etwas null und null und begebe mich mit sichtlich schlechter Laune zum Fotografen.

Naja, was soll ich sagen. Das Ergebnis ist ernüchternd. Nach einer Stunde rumprobieren und etlichen Grimassen sagt der Fotograf, der vorher lauthals getönt hat, er würde aus jedem das Beste rausholen: „Naja, wir haben ja auch noch Photoshop“. Vielen Dank, Herr Fotograf. Während ich mir zuhause die Bilder anschaue, hoffe ich innerlich, dass meine Bewerbung auch ohne Foto überzeugt.

Was soll ich sagen. Wie fällt mein Fazit aus? Fotogenität muss wohl angeboren sein. Und wer braucht schon einen sexy Blick im Alltag? In der Realität mag mich auch jeder ohne. Und für Bilder… Na, wie der Fotograf schon meinte: Wozu gibt es Photoshop?