Es war einmal…

...Aladins Wunderlampe

Es war einmal…
Admin

Geraten bestimmte Dinge in die falschen Hände, so können die Folgen katastrophal sein. Wie etwa Streichhölzer in den Händen eines Pyromanen oder eine riesengroße Zuckergusstorte mit Nougatfüllung und einem Pfund Sahne als Geschenk für einen Diabetiker. Meine Geschichte heute handelt aber nicht über Dynamit in den Händen eines Soziopathen und auch nicht von einem machthungrigen Bösewicht mit der Persönlichkeit eines Diktators. Liest man sich noch mal den Titel dieses Artikels durch, weiß man zwei Dinge: Wunderlampe und Orient (wegen Aladin). Die Wunderlampe ist der Dreh- und Angelpunkt meiner Geschichte, während Aladin nur als Aufhänger dient. Denn Jahrzehnte später, als Aladin schon längst seine Wünsche geäußert hatte, hatte die Wunderlampe schon einige Besitzer gewechselt. Ja tatsächlich, der gute Dschin hatte schon viele Besitzer gewechselt und nicht immer gutes angerichtet. So verhalf er einigen nicht so vielversprechenden Sängerinnen zum Ruhm (ohne Namen nennen zu wollen, aber „Genie in a Bottle“ kommt nicht von ungefähr) und auch dem einen oder anderen Autor (auch hier wird kein Name genannt, aber nur so viel: Vampirglitzermelancholiker meets langweiliges Highschool-Mädchen mit nervigen Endloskomplexen). Ja wir haben uns schon oft gefragt, wie manch untalentierter Mensch zu schnellem Ruhm kam. Nun wisst ihr Bescheid. Oft war es die Schuld des Dschin.

Die Besitzerin, um die es heute geht, war besessen von Düften. Es war eine Art Sucht, von der sie einfach nicht loskam seit dem Tag, an dem ihr Lennart Butz in der ersten Klasse den Spitznamen Müffel-Jenny verpasst hatte. Die fashionbegeisterte Jenny hatte an dem Tag einen alten Pulli ihrer Oma von Dachboden gekramt, der leider nach Mottenkugeln roch. So wurde sie, dank Lennart und dem Geruch des Retropullis, zum Gespött der Klasse für die nächsten fünf Jahre. In dieser Zeit hatte sie einen fast zwanghaften Drang nach schönen Düften entwickelt. Sie konnte an keinem Parfümladen vorbei, ohne sich einzusprühen oder gar einen Duft zu kaufen. Mit den Jahren reichte ihr das nicht. Aus dem Zwang wurde eine ernstzunehmende Neurose und ihr sehnlichster Wunsch war der, einen Dauerduft aus ihren Lieblingsdüften null, Jil Sander Sun Sorbet und null zu versprühen. Und da kommt unserer Dschin ins Spiel.

Der Tag, an dem sie Dschin traf, war ein sehr deprimierender Tag für Jenny. Es hatte geregnet, sie war mitten in die Traufe geraten und hatte das Gefühl, keinen Tropfen Parfum mehr auf der Haut zu haben. Viel schlimmer, sie hatte das beklemmende Gefühl, langsam unangenehm zu riechen. Die staubige Lampe neben ihrem Hauseingang schien sie praktisch zu rufen. Sie hatte sonst nicht viel übrig für Ramsch, aber die Lampe – ihr wisst ja, magisch Kräfte und so! Um nicht lange um den heißen Brei herumzureden: Im Laufe des Tages rieb sie an der Lampe, der Dschin erschien, sie fiel erst in Ohnmacht, machte die Augen auf, fiel erneut ihn Ohnmacht und nach langem Hin und Her fasste sie Vertrauen und bereitete sich auf ihren ersten Wunsch vor.

„Ich wünschte, ich hätte jeden Duft der Welt, “ lautete ihr erster Wunsch. Dieser Wunsch stellte sich als ziemlich…wie soll man sagen…platzfüllend dar. Denn wer die Geschichten des Dschin kennt, weiß, dass er die Wünsche sehr wörtlich nimmt. Platz gab es für Jenny in ihrer Wohnung nicht mehr und auch im Umkreis von drei Kilometern türmten sich Berge von Düften. „Das war kein zufriedenstellender Wunsch“, dachte sie sich. Der nächste muss tausendmal besser sein! „Ich wünschte, ich würde nach tausend Düften riechen“. Und wieder ein fataler Wunsch. Denn niemand konnte an Jenny vorbei, ohne in Ohnmacht zu fallen. Keiner konnte sich ihr mehr als zehn Meter nähern. Eine sehr belastende Situation, wie sie fand. Dann muss es mein letzter Wunsch in sich haben, dachte sie. „Ich wünschte, ich würde so gut riechen und aussehen wie der schönste und beste Duft der Welt.“ „ Huch“, dachte der Dschin, „mal schauen! Welchen Duft empfinde ich als den besten der Welt?“ Er musste nicht lange überlegen. Das Ende vom Lied war, dass er die liebe Jenny in  Bvlgari Mon Jasmin Noir L´Eau Exquise verwandelte, seiner Meinung nach der beste Duft der Welt. Und wieder hatte Jenny nicht beachtet, dass der gute Dschin alles wörtlich nahm. Jenny aka  Bvlgari Mon Jasmin Noir L´Eau Exquise steht nun im Regal des Dschins als Deko und wird sicherlich nie wieder das Problem des schlechten Geruchs haben!