Es war einmal

Hänsel und Gretel

Es war einmal
Admin

Dass in der Übermittlung von Märchen ja wie wild gelogen wird, erwähnte ich bereits. Die dreisteste und gemeinste Lüge allerdings finden wir in der Geschichte von Hänsel und Gretel wieder. Jaja, die armen, kleinen, hungrigen Kinder. Pustekuchen! Die beiden kamen gar nicht aus armen Verhältnissen. Ganz im Gegenteil. Die beiden verwöhnten, wirklich mies erzogenen Rotzgören, lebten zu dem Zeitpunkt, in dem ihre Geschichte bekannt wurde, in einer ihrer Top-Ferienwohnungen im Schwarzwald. Es waren nämlich Sommerferien und die beiden waren sauer auf ihre Eltern, dass ihr Urlaub auf Mauritius nur drei Wochen ging und nicht wie ursprünglich geplant vier. Und schließlich hatten sie im Schwarzwald jeder nur zwei Spielzimmer und man stelle sich vor: nur einen Pool! Von dem winzigen Kinosaal mit nur zehn Plätzen gar nicht anzufangen. Nee, das war ja echt kein Leben.

Hänsel und Gretel – Alles nur Hubba Bubba

Von der Langeweile getrieben, spielten sie ihren Eltern ständig Streiche. So versteckten sie den Lieblingsduft ihrer Mutter, null, im Garten, vertauschten Salz mit Zucker und liefen mit dreckigen Schuhen über den weißen Kaschmirteppich. Aus purer Langeweile beschlossen sie eines Tages, in den Wald zu gehen, um kleine Tiere zu quälen. Die Brotkrumengeschichte ist auch so nicht ganz richtig. Die beiden Satansbraten hatten nämlich mehrere Packungen Hubba Bubba Kaugummi dabei. So landete in regelmäßigen Abständen entweder das Papier oder das ausgelutschte Kaugummi auf dem Waldboden. Mit einer Steinschleuder bewaffnet, machten sie den schönen Wald und die armen Tiere unsicher, bis sie am Ende der Lichtung an einem kleinen bunten Haus vorbei kamen.

Wer schläft wird angemalt!

Dort angekommen, dachten sich die kleinen Teufel, wie schön es doch wäre, die Bewohner der kleinen Hütte etwas zu ärgern. So tapezierten sie die Außenwände mit gekautem Kaugummi und weiterem Süßkram, den sie dabei hatten. Daher die Legende mit dem Haus aus Süßem. Durch das halboffene Fenster brachen sie ein und gelangten so ins Haus. Auf der kleinen Couch lag eine Frau in den Dreißigern und hielt ein Mittagsschläfchen. Neben ihr ihre Pumps und ein kleines Schminktäschchen. Also kamen die leicht beschränkten und nicht ganz so schlauen Kinder auf die grandiose Idee, die Frau etwas anzumalen, frei nach dem Motto „Wer schläft wird angemalt“. Gretel fischte einen Lancôme Rouge In Love Tonight Is My Night Lippenstift aus der Tasche und malte um die Augen der Frau. Mit dem schwarzen Kajalstift von Yves Saint Laurent Dessin Du Regard malten sie ihr Hörner und ein böses Gesicht. Es folgten angedeutete Pickel und Warzen und ein paar andere Symbole, auf die ich hier nicht weiter eingehen möchte. Schlussendlich sah die gute Frau ziemlich furchteinflößend aus, so dass selbst die beiden Übeltäter Angst bekamen.

Von wegen Hänsel – eher Käpt’n Blaubär

Nachdem sie die kleine Katze, die durch das Haus schlich, mit dem Duft von Escada Rockin Rio einparfümiert hatten, machte ihnen das Ganze keinen Spaß mehr. Gerade dabei sich neue Dummheiten auszudenken, ertönte ein gellender Schrei aus dem Badezimmer. Die Frau war in der Zwischenzeit wach geworden. Ihr Gang ins Badezimmer war für sie der reinste Horror und als sie auch noch dreckige Fußabdrücke auf dem Boden sah, schnappte sie sich Pfefferspray, stürmte blindlings ins Wohnzimmer und verpasste den Geschwistern eine dicke Ladung von dem Zeug. Das Ende vom Lied war folgendes: Die Eltern holten die beiden Übeltäter ab. Die junge Frau hatte sie in der Abstellkammer eingesperrt. Ärger gab es gewaltigen, was nicht heißt, dass sie dazulernten. Stattdessen schrieb Hänsel einige Jahre später seine Version von Hänsel und Gretel, die Version die uns heute bekannt ist!