Ich packe meine Koffer…

…und mache mich auf die Suche nach meinem Zuhause

Ich packe meine Koffer…
Admin

Juli 2012! Ich sitze auf dem Fensterbrett meines alten Kinderzimmers. Zuhause. Ein wirklich dehnbarer Begriff. Ich bin zu Besuch und mich überkommt wie jedes Mal ein Gefühl der Beklommenheit. Bilder eines eingesperrten Tieres blitzen durch meinen Kopf. Nein, das hier ist nicht Zuhause. Oder doch? Nur ein Ort, an dem ich schon mal gelebt habe. Einer von vielen Orten. Ich schaue aus dem Fenster und schweife ab. Der laue Sommerwind ist angenehm und lässt mich noch tiefer in meinen Traummodus versinken. Die Kombination aus Sommerbrise und sternenklarer Nacht hat was Hypnotisierendes und der null von Pinien hängt in der Luft. Eigentlich ein harmonischer Ort, aber ich bin schon längst woanders.

Memory Lane-Duftreise in die Vergangenheit

Ich bin auf der Suche. Was ich genau suche ist mir noch nicht ganz klar. Ich glaube, das Wort Zuhause hängt noch in der Luft. Ich befinde mich auf einem Kiesweg. Auch hier ist es Nacht. Der Mond scheint, die Sterne funkeln, aber ich weiß sofort, ich befinde mich nicht mehr auf deutschem Boden. Ich erkenne das an den Gerüchen. Die Luft fühlt sich ganz anders an. Auch warm, aber doch intensiver. Es duftet nach Meer. Ja, der Geruch kommt mir bekannt vor. Fast schon vertraut. Ich laufe den Kiesweg entlang und entdecke eine kleine weiße Kapelle mit einem blauen Dach. Meine Gedanken überschlagen sich. Ich denke, ich weiß wo ich bin. An dem anderen Ort, den ich auch mal Zuhause nannte. Der Ort meiner Kindheit.

Long Road-Über Düfte und Gefühle

Ich befinde mich in Griechenland. Und wieder herrscht Chaos in meinem Kopf. Erinnerungen überfluten mich. Wie entscheidet man, wie differenziert man? Der altbekannte Spruch schießt durch meinen Kopf, „da wo dein Herz sich wohl fühlt…“ – oder so ähnlich. Aber was, wenn das Herz es nicht weiß? Wenn es bei jedem Duft, in Kombination mit Erinnerungen, zu zerbersten droht und völlig orientierungslos und verloren ist? An der Promenade angekommen, reißt mich erneut ein Duft aus meinen Gedanken. Es riecht nach gegrillten Maiskolben. Die Mischung aus diesem köstlichen Gemüse, der frischen Meeresluft und einer ungewöhnlich intensiven  Energie, wirkt euphorisierend und beflügelnd zugleich. Ein sehr angenehmes und doch seltsames Gefühl. Wieder wundere ich mich, wie null solche Emotionen hervorrufen können. Wie sie den Menschen prägen können, wie wichtig sie in verschiedenen Lebenssituationen sind.

Zurück in die Gegenwart

Nachdem ich eine ganze Weile in meinem Traummodus durch die Gefühlswelt meiner Vergangenheit spaziere, versinke ich wieder in Gedanken. Wie fühle ich mich jetzt? Ich versuche mir bewusst darüber klar zu werden. Ich fühle mich gut. Aber immer noch entzweigerissen. Irgendwas fehlt. Vielleicht das andere Zuhause? Ja wahrscheinlich. Und so langsam wird mir bewusst, dass ich vielleicht nicht differenzieren sollte. Vielleicht ist es ok, sich zwiegespalten zu fühlen. Denn schlussendlich weiß ich, welche beiden Puzzelteile ich zusammenführen muss, um mich ganz zu fühlen. Eine Stimme reißt mich aus dem Traummodus und ich befinde mich wieder in Deutschland. Die Erkenntnis meines imaginären Ausflugs ist jedoch sehr präsent und echt. Nämlich die Tatsache, dass man sich an vielen Orten Zuhause fühlen kann. Kann ja nicht jeder von sich behaupten, dass er zwei Orte so sehr in sein Herz geschlossen hat wie ich.