Kleine Schminkmarotten

Wo schminkt sich Frau am liebsten?

Wo schminkt sich Frau am liebsten?
Kaliopi Stefanidou

Wir Frauen besitzen unsere ganz persönlichen, kleinen und liebenswerten Marotten. Manch einer mag diese Eigenheiten als besorgniserregende Neurosen betrachten, meistens handelt es sich aber nur um Gewohnheiten, die uns vielleicht etwas merkwürdig erscheinen lassen, aber nicht weniger wundervoll. Denn was wäre die perfekte Frau ohne Ecken und Kanten? Sie wäre langweilig und Langeweile ist in meiner Welt ein ziemlich böses und niederträchtiges Wort. Also wird diese Vokabel aus meinem Wortschatz verbannt und macht Platz für ein viel spannenderes und sympathischeres Wort: Den Spleen!

Was bedeutet dieses Wort? Nun ja, da es ja offensichtlich nicht aus dem deutschsprachigen Raum stammt und eine Fehlinterpretation nicht weiter ins Gewicht fällt, wenn man mich fragt, projiziere ich meine ganz eigene Bedeutung hinein. Für mich bedeutet dieses Wort „liebenswerte Macke“. Und damit kommen wir schon zu einer dieser liebenswerten Macken, die nicht nur mich, sondern gleich vier meiner Freundinnen befallen hat. Es handelt sich um das Schminken an ziemlich außergewöhnlichen Orten. Für jede von ihnen gilt, dass dieser bestimmte Ort heilig ist. Woanders wirkt das Ergebnis des Gesichtanmalrituals verfälscht und unnatürlich. Und somit kommen wir zu Freundin Nummer eins:

Regen, Sonne oder Schnee…Egal – Ab auf den Balkon

Wenn Pia erzählt, dann muss ich immer schmunzeln. Die Art, wie sie Dinge ausdrückt, ist einfach ultrakomisch und manchmal weiß ich nicht genau, ob das Gesagte ernstgemeint ist oder eine kleine witzige Anekdote. Deswegen musste ich mich auch neulich zu Tode kringeln, als sie mir erzählte, dass sie die Wahl ihrer Wohnung danach richtet, ob diese einen Balkon besitzt. Nun gut, nichts Außergewöhnliches, möchte man meinen. Allerdings sind ihre Beweggründe ziemlich witzig. Sie kann sich nur auf einem Balkon richtig schminken. Ganz genau. Auf diesem haust seit neustem ein ziemlich großer Spiegel, der bei Wind und Wetter einsatzbereit ist. Schließlich ist das Licht dort am besten. Diese Marotte begleitet sie auch im Urlaub oder wenn sie unterwegs ist. Ein Hotel ohne Balkon kommt nicht in Frage und wenn sie angekommen ist, zückt sie ihren kleinen tragbaren Spiegel, schnappt sich ihren liebsten Kamerad, den Yves Saint Laurent Touche Eclat Concealer, und eliminiert die Schattenmonster, wie sie es immer so schön sagt.

Mein Auto, mein Zuhause

Marlene ist leidenschaftliche Autofahrerin. Was für sie bedeutet, dass alles Wichtige auch mit und im Auto erledigt wird. Kein Kajalstift und keine null berühren ihre Haut, solange sie noch zuhause ist. Sobald sie dann im Auto sitzt, lässt sie sich eine Viertelstunde vor dem Losfahren Zeit und verschönert sich. Ihre Argumente machen Sinn. Zum einen befindet sie sich ja quasi draußen und hat deswegen mehr Licht und zum anderen kommt sie frisch geschminkt zur Arbeit und hat nicht das Gefühl, dass der Concealer seine Wirkung auf dem Weg zur Arbeit schon aufgebraucht hat.

Schaut mich an – Verwandlung in der Bahn

Clara, ein äußerst extrovertierter Mensch, lässt sich gerne feiern. Und am liebsten ist es ihr, wenn sie Aufmerksamkeit erregt. Was für sie bedeutet, dass sie sich meistens im Zug auf dem Weg zur Uni ausgiebig schminkt. Umso mehr Leute sie beobachten, desto besser. In der Tat spornt sie das Gegaffe zur Übertreibung an und so spitzt sie gekonnt die Lippen, reißt die Augen auf und lächelt sich so oft es geht im kleinen Handspiegel an. Ich war schon mal dabei und muss sagen: eine etwas peinliche, aber dennoch witzige Show.

Einmal einen kleinen Salat und ähm…einen Spiegel bitte!

Tini wiederum besitzt die nervige Angewohnheit, direkt das Bad eines jeden Restaurants zu benutzen. Ein fast schon innerer Zwang, der sie zwingt, sofort zu kontrollieren, ob alles ok ist, wie sie immer sagt. Dann werden die Wangen mit einem zarten rosafarbenen null aufgefrischt und der null noch mal richtig nachgezogen. Mag vielleicht nicht besonders ungewöhnlich wirken, dazu muss man aber wissen, dass sie beim Nicht-Ausführen dieses Rituals  ziemlich unangenehm werden kann. Sie fühlt sich dann meist irgendwie nackt und unvollständig. Befriedigung verschafft ihr da nur der Anblick eines Restaurantbads und ein Spiegel, der ihr zeigt, dass alles gut ist.

Manch einer mag diese Eigenheiten als Marotten sehen, aber an sich handelt es sich hier ja nur um tägliche liebenswerte Rituale. Und ich bin mir sicher, dass der ein oder andere sich in bestimmten Situationen widererkennt.