Kolumne

Duftverirrungen auf dem Weg zur Arbeit - Teil 2

Kolumne Duftverirrung Teil 2
Admin

Ich muss eingestehen, dass Unpünktlichkeit mein treuer Lebenspartner ist, neben der Liebe zum Schlafen und dem Erledigen von Sachen in letzter Sekunde. Deswegen hoffe ich, jeden Morgen um 07:28 Uhr die richtige Tram zu erwischen, um rechtzeitig die Büroräume von Flaconi betreten zu können.
Demnach  bin ich mal wieder zur Tram gelaufen, in der letzten Sekunde eingestiegen und nach Luft schnappend suche ich hysterisch einen Halt, bevor die Tram losfährt. Ein gelegentlich sehr peinlicher Auftritt, aber die verspätete Ankunft im Büro ist noch peinlicher, also: Was solls! Super gestresst und nach einem Sitzplatz  tigernd, laufe ich durch die Tram – aber STOP (!) – irgendjemand von den 25 Menschen um mich herum trug DEN DUFT. Mein Näschen ist erregt und schnuppert sich ein bisschen durch die Gegend, aber irgendwie werde ich nicht fündig. Die Dame neben mir ist es nicht, der Mann mir gegenüber kann auch ausgeschlossen werden.  Leider muss ich schon nach zwei Stationen aussteigen, Mist.  Auf dem restlichen Weg zur Arbeit ärgere ich mich ein wenig, aber der Gedanke an DEN DUFT war schnell vergessen.

 

Nächster Tag, selbe Uhrzeit, ein diesmal entspannter Einstieg in die Tram ließ mich an den vorherigen Morgen zurückdenken und weckte in mir die Hoffnung, IHM wieder zu begegnen.
Tatsächlich erwischte ich diesmal die richtige Tür, denn schon beim Einstieg in die Tram schlich sich DER DUFT in meine Nähe. Diesmal ging ich bewusst entlang des Gangs und fokussierte meine Wahrnehmung auf meine Nase. Anstatt nach einem Sitzplatz zu schauen, wie ich es sonst so gerne für die kurze Strecke tat, streckte ich meine Nase lieber dem kleinen Baby auf dem Arm seines Vaters entgegen oder versuchte das Parfum des Aktenkofferträgers zu deuten.
Landsberger Allee/ Petersburger Str. – ich muss aussteigen, wieder ein Fehlversuch.

 

Die Aneinanderreihung der Misserfolge häuften sich in der darauffolgenden Zeit, teilweise roch ich IHN gar nicht oder zu schwach in der Menge der Mitfahrer.
Aber dann, am 27. März 2012 saß ich direkt hinter IHM – DER DUFT wurde getragen von einem jungen, gut aussehenden Mann. Total überflutet im Angesicht des Fundes meiner langen Detektivserie in der Tram, konnte ich nur kurz DEN DUFT in meinen Sinnen verinnerlichen, ehe ich wiederholt viel zu früh aussteigen musste.
Tatsache ist nun, dass ich, wenn es günstig ist, mich unmittelbar in die Nähe DES DUFTS stelle, setze oder danach eifere, in Riechweite zu kommen. Immer wieder hat ER einen wohltuenden Effekt auf mich und Fakt ist, dass DER DUFT mich in alle Welten verführen könnte.
Um dem Geheimnis bald einen Namen geben zu können, bin ich mir ganz sicher, werde ich ihn fragen, welchen Duft er trägt – vielleicht auch schon morgen – aber solange genieße ich einfach.