Kolumne

Duftverirrungen auf dem Weg zur Arbeit - Teil 1

Kolumne Duftverirrung Teil 1
Admin

Das Herz ist ein sehr wichtiges und empfindliches Organ. Man sollte es schonen und deswegen muss aufkeimende Wut unterdrückt werden, wie meine Hausärztin immer so schön sagt. Hm, in der Theorie ist das einfach. Aber ich glaube, die gute Frau ist noch nie mit dem Bus gefahren. Denn wenn man wie ich täglich auf eine bestimmte Buslinie angewiesen ist, sieht die Praxis, die Wut im Keim zu ersticken, sehr schwierig aus.  Abfahrtsort Berlin Neukölln, Ankunft etwa zwanzig Minuten später in Berlin Mitte. In dieser recht überschaubaren Zeit arbeitet mein Herz auf Hochtouren, denn mein Agressionspotenzial steigt ins Unermessliche.

 

Sehen wir mal von den ganzen komischen Gestalten ab, die eher den Eindruck erwecken, als ob sie nicht zur Arbeit, sondern von einer durchzechten Nacht nach Hause fahren (Montag morgens um sieben). Nein, viel schlimmer sind die Gerüche. Ich bin weder zimperlich, noch sonderlich sensibel, aber wenn mir morgens das Frühstück wieder hoch kommt, weil der an einen Ballon erinnernde  Typ neben mir scheinbar schon länger kein Badezimmer von innen erblickt hat, werde ich leicht aggressiv. Noch schöner wird es, wenn dieser besagte Bus, der normalerweise alle fünf Minuten fahren sollte, zwanzig Minuten zu spät kommt. Das bedeutet dann nämlich, dass sich auch die Anzahl an wartenden Menschen an der Bushaltestelle vervierfacht und das wiederum bedeutet das A) der Bus proppenvoll ist und B) der Bus noch mal zehn Minuten länger braucht, um loszufahren, weil die Leute alle im Türbereich stehen.

 

 

Als ob das nicht genug wäre, ist man eingekesselt zwischen einem Dutzend nicht gerade wohlriechender Menschen. Alkohol und Knoblauchfahnen sind da noch die angenehmeren Gerüche. Die etwas ältere Dame neben mir hat sich anscheinend mit einem fiesen Moschusduft geduscht und der Herr mit dem penetranten Blick rechts von mir hat versucht seinen Achselgeruch mit billiger No Name Seife zu übertünchen. Ergebnis: Eine Mischung aus Schweiß in der Herznote, mit einem süßlichen Aroma in der Kopfnote. Zu allem Überfluss habe ich meine Freude an der Sonne und dem warmen Tag verloren. Denn ratet mal was noch schlimmer ist als ein überfüllter Bus voll übel riechender Menschen? Genau. Ein überfüllter Bus voll übel riechender, schwitzender Menschen! Und da soll man nicht cholerisch werden…

 

Umso schöner ist es dann, wenn man wieder die frische Luft genießen kann, nachdem man während der 20-minütigen Busfahrt versucht hat den Rekord im Luftanhalten zu brechen. Und wenn man dann die Büroräume von null betritt, weiß man die wundervollen Düfte, die jeden Raum erfüllen, so richtig zu schätzen!