Kolumne

Die Qual der Wahl – oder wie ich Geschenke aus meinem Leben verbannte

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Admin

Neulich las ich folgenden Satz: „Man kann nicht Nichtentscheiden.“Pah, Entscheidungen – Ein Wort, das mich schon immer überfordert hat. Kombiniert man dieses Wort mit dem Zusatz „treffen“, bin ich tatsächlich verloren. Stellt mich in einen überfüllten Supermarkt, zum Beispiel Kaiser‘s (Die Hölle unter den labyrinth-artigen Supermarktketten mit dem hohen Risikofaktor, für mehrere Stunden verschluckt zu werden) und fragt mich, welche der zehn Millionen Schokoladensorten ich möchte. Mein Kopf fängt dann an, cartoonartig zu rotieren bis ich mich sprichwörtlich in Luft auflöse. Ich stehe dann eine Stunde lang vor dem Regal und entscheide mich letztendlich für die einfachste Variante. Milka Alpenmilch. Kostbare Lebenszeit geht flöten. Wer sagt denn, dass Vielfalt ein Segen ist?

Für mich bedeutet es einfach nur Stress und jetzt kommen wir zu dem eigentlichen Problem –  Geschenke! Ich will sie nicht und bekomme sie trotzdem. Was wiederum für mich bedeutet: Schenkt dir jemand was, musst du ihm auch was schenken. Und etwas unter Druck zu erledigen, gehört auch auf die Liste von Dingen, die mir nicht liegen. Druck, Stress, Geschenke…Hilfe! Nun steht Weihnachten bald vor der Tür (zumindest wenn es nach der Lebensmittelindustrie geht, die die Eingänge der Supermärkte mit Lebkuchen und Co. vollstellt, damit wir dieses Datum auch ja nicht vergessen) und auch hier paaren sich einige Eigenschaften, die ich einfach nicht besitze: Geduld, Standhalten von hohen Erwartungen der Beschenkten und tadaa: die Fähigkeit zu entscheiden. Was kein Problem als solches darstellen würde, wenn die Auswahl einfach begrenzt wäre.

Und da wären wir wieder bei diesem klitzekleinen Wort namens Vielfalt. Diese Vielfalt erschlägt mich buchstäblich und es gibt kein Entkommen. Fangen wir doch mal an aufzuzählen. Mutti wünscht sich Parfum. Hm, soweit so gut. Was anderes soll es sein. Nicht immer dasselbe. Blumig, aber nicht zu süß. Frisch, aber nicht alltäglich. Ernsthaft?? Schon mal bemerkt, was es für eine riesengroße Auswahl an Düften gibt? Und dann diese „präzisen“ Anweisungen. Da kann man ja nur schreiend von Laden zu Laden rennen. Bunte Flakons, wohin man auch schaut. Einer schöner als der andere. Schon bei der Optik kann ich nicht entscheiden. Klassisch feminin wie null oder doch lieber dieser andere Franzose? Wie heißt der doch gleich? Yves Saint Laurent – genau. Uh lala Paris. Schöne Stadt. Aber null? Sind Holländer. Und jugendlicher und frischer. Und Amsterdam ist auch so toll. Wobei Dolce und Gabbana könnte auch zu ihr passen. Mediterranes Flair und so. Und wie sehr sie Italien liebt. Wobei, hat sie nicht letztens vom Meer geschwärmt? Also doch lieber aquatisch wie Davidoff? Ahhh! Hier kommt der Punkt, wo der hauchdünne Geduldsfaden reißt und mit ihm entweicht auch ein langgezogener Schrei aus meiner Kehle. Peinlich, ja. Und wenn man bedenkt, dass das erst der Anfang ist…Kann mich jemand retten…bitte?!

Eine Woche krankgeschrieben. Diagnose: Chronische Überforderung. Sollte dieses Weihnachtsfest nicht was mit Liebe zu tun haben?? Nun ja, das war letztes Jahr. Zum Wohle meiner Gesundheit (schließlich will ich nicht in der Klapse landen) habe ich mir dieses Jahr die Mühe gemacht, meinen Liebsten eine Rundmail zu schreiben. Darin steht freundlich aber bestimmt, dass ich dieses Jahr keine Geschenke kaufen werde. Stattdessen biete ich langweilige Gutscheine an. Wer sie nicht will – auch ok. Wer mir was schenken will – von mir aus – erwarten darf er allerdings nicht viel von mir.